Hans Waldmann - Heerführer - Tyrann - Zürcher Bürgermeister
Frühes Lebens und Erlebnisse im Krieg
Hans Waldmann wurde 1435 in Blickensdorf geboren und erlebte als Kind die Verwüstung seines Dorfes durch die Zürcher Streitkräfte. 1443 verlor er mehrere Verwandte in der Schlacht bei Sankt Jakob vor den Toren Zürichs. Diese frühen Kriegserlebnisse prägten ihn tief und legten den Grundstein für seine spätere Karriere.
Aufstieg in Zürich
Bereits lange vor den Burgunderkriegen hatte Hans Waldmann in Zürich Fuss gefasst. 1452 erwarb er zusammen mit seinem Bruder Heini und seinem Stiefbruder Hensli Truttmann das Zürcher Bürgerrecht. Zunächst absolvierte er eine Schneiderlehre und wechselte später ins Gerberhandwerk, doch blieb das Handwerk nicht dauerhaft seine berufliche Grundlage.
Einen entscheidenden gesellschaftlichen Aufstieg ermöglichte ihm 1464 die Heirat mit Anna Landolt, der Witwe des Einsiedler Amtmanns Ulrich Edlibach. Anna Landolt stammte aus einer wohlhabenden, im Eisenhandel tätigen Familie und war die Mutter des späteren Zürcher Chronisten Gerold Edlibach.
Durch die Ehe wurde Hans Waldmann somit dessen Stiefvater.
Von Ulrich Edlibach übernahm Waldmann die Verwaltung des Einsiedler Hofes in Zürich, ein finanziell einträgliches und angesehenes Amt. Gleichzeitig stieg er selbst in den Eisenhandel ein. Diese Stellung verschaffte ihm Zugang zur Constaffel, jener Gesellschaft, in der vor allem die alten patrizischen und ritterbürtigen Familien Zürichs organisiert waren.
Der vollständige gesellschaftliche Durchbruch innerhalb dieses alteingesessenen Milieus scheint Waldmann jedoch nicht gelungen zu sein. Politisch orientierte er sich deshalb zunehmend an den mächtigen Zürcher Handwerkerzünften.
Ein erster Versuch, 1466 Zunftmeister der Gerberzunft zu werden, scheiterte. Der entscheidende Schritt folgte 1473, als ihn die Zunft zum Kämbel zu ihrem Zunftmeister wählte. Damit erhielt Waldmann gleichzeitig einen Sitz im Kleinen Rat und gehörte fortan zur politischen Führungsschicht Zürichs.
Militärische Erfolge in den Burgunderkriegen
Während der entscheidenden Phase der Burgunderkriege von 1476/77 machte sich Hans Waldmann als Heerführer einen Namen. Vor der Schlacht bei Murten beaufsichtigte er die eidgenössische Garnison in Freiburg und führte von dort ein Kontingent Freiburger und Zürcher Truppen zum heranrückenden eidgenössischen Heer.
In der Schlacht bei Murten am 22. Juni 1476 gehörte Waldmann zu den führenden Befehlshabern der Eidgenossen und führte den mächtigen Gewalthaufen, die Hauptmacht des Heeres. Die vernichtende Niederlage Karls des Kühnen machte Murten zu einem der bedeutendsten eidgenössischen Siege des 15. Jahrhunderts. Nach der Schlacht wurde Waldmann zum Ritter geschlagen – ein wichtiger Schritt für sein wachsendes militärisches und politisches Ansehen.
Seine militärische Karriere setzte sich im folgenden Winter fort. In der Schlacht bei Nancy am 5. Januar 1477 kämpften eidgenössische Truppen an der Seite Herzog Renés II. von Lothringen erneut gegen Karl den Kühnen. Auch Waldmann nahm als Heerführer teil. Die Burgunder erlitten eine entscheidende Niederlage; Karl der Kühne fiel auf dem Schlachtfeld. Mit seinem Tod zerbrach die burgundische Grossmachtstellung, während das Ansehen der Eidgenossen – und damit auch Waldmanns – in Europa erheblich wuchs.
Bürgermeister von Zürich
Hans Waldmann, der seit 1480 oberster Zunftmeister war, wurde im Dezember 1482 zum Bürgermeister von Zürich gewählt. Seine Wahl ersetzte in der ersten Amtsperiode des Jahres 1483 Heinrich Göldli und unterstrich den Einfluss, den Waldmann unter seinen Ratskollegen hatte. Während seiner Amtszeit setzte Waldmann zahlreiche Reformen um. Er stärkte den Einfluss der Handwerkerzünfte, beschränkte die Macht des Klerus und Adels und etablierte eine bürgerliche Ordnung. Trotz dieser Reformen führten Waldmanns autoritäre Massnahmen zu wachsendem Unmut in der Bevölkerung.
Parallel zur Amtszeit von Waldmann wechselten sich im höchsten Amt der Stadt Zunftmeister Heinrich Röist und der Constaffler Heinrich Göldli ab. Ab 1483 wurde das zweite Bürgermeisteramt hinzugefügt, das mit Göldli besetzt wurde. Nach drei Jahren des Wechsels zwischen den Bürgermeistern Heinrich Röist, Heinrich Göldli und Hans Waldmann verlor Göldli 1486 sein Amt zugunsten von Waldmann. Von da an wechselten sich wieder zwei Bürgermeister halbjährlich ab, wie im "Zweiten Geschworenen Brief" festgelegt.
Diese halbjährliche Rotation des Bürgermeisteramtes war eine direkte Folge der Reformen, die nach dem Sempacherkrieg mit dem "Zweiten Geschworenen Brief" eingeführt wurden. Diese Reformen eingeschränkt die dominante Machtposition des Bürgermeisters und der historisch Habsburg-freundlichen Constaffel. Zunftmeister wurden vollwertige Ratsmitglieder und das Bürgermeisteramt war nicht mehr nur ein Privileg der Constaffel.
Der Zweite Geschworene Brief von 1393 gab den Zunftmeistern aussergewöhnliche Befugnisse zur Einmischung in die Staatsverwaltung. Der "Kleine Rat", das eigentliche Machtzentrum, organisierte sich in zwei Ratsgruppen: Dem "Natalrat" und dem "Baptistalrat".
In diesem Kontext spielte auch die Familie Röist eine wichtige Rolle. Der Sohn von Heinrich Röist, Markus Röist, welcher ab 1505 seinerseits Bürgermeister war, holte Huldrych Zwingli an das Grossmünster.
Konflikte und Machtkämpfe
Waldmanns strenge Gesetze und sein Führungsstil zogen den Hass der Zürcher und anderer Eidgenossen auf sich. Insbesondere die Einschränkungen der bäuerlichen Rechte und die Hinrichtung des Luzerner Hauptmanns Frischhans Theiling sorgten für erhebliche Spannungen. 1488 verbot Waldmann den Bauern die Jagd und ordnete zur Sicherheit die Tötung aller Bauernhofhunde an. Diese Massnahme empörte die Bauern, da die Jagd nicht nur zur Nahrungsbeschaffung diente, sondern auch ein symbolisch wichtiges Recht darstellte. Die Tötung der Hunde war der unmittelbare Auslöser für den Bauernaufstand.
Sturz und Hinrichtung
1489 brach der Bauernaufstand aus, der sich gegen Waldmanns drakonische Massnahmen richtete. Die Rebellen belagerten Zürich, und schliesslich wurde Waldmann gefangen genommen. Nach einer kurzen Inhaftierung und Folterung wurde er am 6. April 1489 hingerichtet. Waldmann wurde im Fraumünster beigesetzt, wo eine Grabplatte an ihn erinnert.
Reiterstandbild
Im frühen 20. Jahrhundert entstand der Wunsch, dem Bürgermeister und Heerführer Hans Waldmann ein Denkmal zu setzen. Trotz einiger negativer Gutachten wurde der Auftrag an den Bildhauer Hermann Haller vergeben. Das endgültige Reiterstandbild, angeblich aus der Bronze eines verschrotteten italienischen Unterseeboots hergestellt, wurde am 6. April 1937 auf dem Münsterhof in Zürich eingeweiht. Die Einweihung zog 10.000 Besucher an und vermittelte den Eindruck grosser Einigkeit, obwohl einige patriotische Kreise sich ein traditionelleres Standbild gewünscht hätten.
Die Zunft zum Kämbel hatte das Denkmal gestiftet und hoffte auf eine Rehabilitierung ihres ehemaligen Zunftmeisters Waldmann, der möglicherweise einem "Justizmord" zum Opfer gefallen war. An jedem Sechseläuten legen die Mitglieder der Zunft zum Kämbel einen Kranz am Denkmal nieder. Während des Nationalsozialismus erhielt die Statue durch Propaganda eine neue Funktion und diente nicht mehr zur Glorifizierung einer Person, sondern als Symbol für den Zusammenhalt der Eidgenossenschaft.


